Endlich WE

Endlich Wochenende. Ein guter Grund, sich eine Woche lang darauf zu freuen. Pläne schmieden sich wie von selbst und alles, was schon immer erledigt werden sollte, wird heute angepackt. Gleich früh soll es losgehen. Ein paar flüchtige Bissen, einen kräftigen Schluck vom lauwarmen Kaffee und dann ab. Raus aufs Grundstück. Die Dachrinne leckt, die Tonnen sollen hinter Hecken verschwinden, der Weg neu gefasst werden. Die Zeit wird knapp, wie immer. Sonntagabend, Montagmorgen. Und bald wäre wieder Wochenende… Zum Glück läuft alles anders und alles bleibt liegen. Für dieses Wochenende. Und kuschelt. 

Die Welt ist klein.

Früher Abend. Du sitzt auf dem Balkon, kurz vor massiven Verrenkungen deines Knochengerüstes. Zu klein die Fläche, die dir nach einem anstrengenden Arbeitstag bleibt. Es sind sommerliche Temperaturen. Du hoffst auf ein entspanntes, alle zufrieden stellendes Ende dieses Sommers. Aus einem offenen Fenster döselt allzu seichte Jazzmusik. Verwundert registrierst du: es sind deine Nachbarn, die diese Musik hören. Hättest es kaum geglaubt. Kennst sie aber auch kaum. Und schon, die Taube im Wein zerrt am Gebälk. Hausen Tauben nicht immer nur zu zweit?  

Unsichtbares legt sich über den Innenhof. Es wird dunkel. Es beginnt zu schlafen. Keiner lauscht jetzt mehr. Unten huscht ein Getier durchs Gestrüpp, nicht erkennbar. Was bleibt, ist Hitze – drückend. Und dieser kleine Hof, ein Höfchen fast. Hoch oben: Ein Flieger steuert Tegel an. Sie kommen von links unten und ziehen nach rechts oben. Manche dröhnen, viele ziehen schweigend ihre Bahn. Und: das wird ein Sternschnuppenabend. Wünsche hätte ich genug. 

Düstere Hoffnung

Gewitter mögen ja gefährlich sein und als bedrohlich empfunden werden, aber sie scheinen auch einen Urinstinkt des Menschen zu wecken: sich zurückzuziehen, Schutz zu suchen, innezuhalten und sich der eigenen Kräfte bewusst zu werden. Was nicht immer heißen muss, sich eigene Kraftlosigkeit angesichts der hereinbrechenden Urgewalten tatsächlich einzugestehen. Manchmal ist es vielleicht nicht mehr, als für einen überraschenden Moment die eigene Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit wenigstens wahrhaben zu wollen.

Feierabend

Zwei Stunden familiär bedingte Seniorensommerfestsbetreuung zieht unweigerlich den zwar entspannenden, aber ersten richtigen Männerbierkneipen-Besuch meines Lebens nach sich. Halber Liter Becks zu Bonny M – wann hätte ich mir das je zugemutet 😉 Der Tag ist gelaufen … Das nächste Level wäre Karaoke, und ich würde wohl zum ersten Mal all jene verstehen, über die ich sonst herablassend den Kopf schüttele … Feierabend zwischen zwei “Einarmigen Banditen” und mindestens drei verschlissenen Leben, das der schmachtend geschminkten Tresendame eingeschlossen. Der einzige Vorteil einer solchen Kneipe aber ist: hier starrt nur jeder Zweite benebelt auf sein Smartphone, der Rest starrt mit leerem Blick ins Bierglas. Immer ist es da schöner, wo wir nicht sind und da, wo wir sind, könnte es nicht schöner sein. So vor Entscheidungen gestellt, legt sich der Pawlow’sche Hund dankbar zwischen zwei Biergläser nieder und träumt von besseren Zeiten. 

Neujahrstart

Keine 20 Meter gefahren und der ICE nach Berlin steht in Leipzig wieder still. Also: aussteigen und auf den nächsten Zug warten. Ich hoffe, dass diese schleppende Anreise und dieses “nicht in die Puschn kommen” nicht symptomatisch für das beginnende Jahr wird. Auf jeden Fall allen ein erfolgreiches und glückliches 2015!
PS: Im nachfolgenden ICE ist ja wenigstens nur der Kaffeeautomat ausgefallen. Das lässt hoffen für die knapp eine Stunde Fahrzeit.

Selbstauflösung

Das Erschreckende in diesen Tagen ist nicht nur die Häufung von Konfliktherden auf der ganzen Welt, sondern auch die Heftigkeit der Probleme: Ukraine und Russland, der Bürgerkrieg in Syrien, Atomfässer, die ihren giftigen, breiigen Inhalt längst an die Umwelt abgeben, Millionen gekaperte Email-Konten, Erdrutsche, die Züge oder ganze Ortschaften mit sich reißen, die Androhung militärischer Erstschläge durch nordasiatische Länder oder Raketen auf zivile Flughäfen …
Sicher, die Welt ist riesig und genug Platz gab es auf ihr schon immer, dass auch genug passieren konnte. Und sicher ist auch, dass die Wahrnehmung häufiger Konfliktfelder weltweit auch in der weltweiten medialen Verbreitung begründet liegt. Nirgends auf dieser Welt passiert heute etwas ungesehen, ungehört, unkommentiert. Wer in diesen Tagen überhaupt noch Nachrichten zur Kenntnis nimmt, gerät schnell in einen umklammernden Sog, manchmal auch nur in den Geschäftszwang von Newsportalen, ständig neue Headlines präsentieren zu müssen.
Trotzdem: die Gefahr besteht vor allem darin, dass zunehmende Wahrnehmbarkeit zunehmend Nichtwahrnehmung zur Folge hat. Sättigung also. Da wird in einem afrikanischen Land mittlerweile mit scharfer Munition auf Menschen geschossen, die in panischer Angst ihrer Stigmatisierung als potentielle Todbringer zu entrinnen versuchen. Ebola aber lässt sich nicht durch Stacheldraht und improvisierten Absperrungen aus Holzmobiliar aufhalten. Die, die das wissen, greifen also in ihrer Hilflosigkeit längst zum Äußersten und schießen scharf.
Und so wird, weltweit zwar bemerkt, aber weltweit auch leider nahezu ignoriert, ein Kontinent mit der Selbstzerstörung durch einen Virus so gut wie sich selbst überlassen. Weil sich der Rest der Welt statt dessen und mit aller Kraft um hausgemachte Probleme jahrelanger Machtspiele sorgen muss, statt alle Kraft, Energie und Ressourcen den sich unaufhaltsam ausbreitenden Beschädigungen dieser Welt entgegenzustellen.
Am Ende wird wohl etwas, wie das lange als lokales Problem ignorierte Ebola uns allen den Garaus machen und vielleicht dann werden die vermeintlich Großen dieser Welt mit ihren gegenseitig eingeschlagenen Köpfen für einen kurzen Moment, aber viel zu spät, zur Besinnung kommen: Ach, hätten wir doch nur …
Und mit einem diplomatisch höflichen Lächeln werden sie sich gegenseitig den Gnadenschuss geben. Ohne scharfe Munition, versteht sich. Man muss ja das Gesicht wahren.