Der ewige Kreislauf

Erhellend, mal wieder die Tagesschau von vor 20 Jahren zu sehen und festzustellen, dass der Eindruck vielleicht doch nur trügt, die Welt wäre heute von Konflikten in ihren kontinentalen Teilen bedrohter, als je zuvor. Vieles hat sich kaum geändert, die Welt war wohl auch in früheren, verklärten  Zeiten nicht weniger aus den Fugen: In Fernost kam, fast auf den Tag genau, damals wie heute ein Exilpolitiker auf ungeklärte Weise zu Tode. In Asien nahmen Rebellen Geiseln, während irgendwo in Afrika ein Flüchtlingscamp angegriffen wurde. Und eine deutsche Wintersportlerin drehte auch schon vor 20 Jahren ihre erfolgreichen Runden. Selbst das Wetter scheint sich kaum geändert zu haben. Also, alles beruhigend? Alles wie immer?

Jenseits

Vielleicht hat es ja auch etwas sehr Wunderbares, endlich einmal, nach zehn Jahren, diesen ersten Berlinale-Sonnabend nicht in einem Nobel-Hotel in Berlin zu verbringen, um sich dort – auf dem alljährlichen Filmförderer-Empfang – die eigenen Füße wund treten zu lassen. 

Diese merkwürdige, oft schockwellenartige Erfahrung, die jedes Jahr neu faszinierte: sich aus dem beschaulichen, weil übersichtlichen Potsdam auf den Weg nach Berlin zu machen und sich dort – nur eine Stunde später – zu verlieren zwischen Promi A bis C. An einem Abend also, an dem du selbst in zweifelsfrei nur unbekannten Gesichtern nach jenem Starlet-Lächeln suchst, dass dir vorwurfsvoll zu verstehen gibt: Wer sei sie denn, dass sie sich nicht erlauben könne, hier einsam auf weitem Parkett mit blinkenden Augen zu stehen… 

Diesem Moment des einander wortlos Verstehens endlich entkommen, entzünde ich ein Licht auf meinem abendlichen Schreibtisch, lasse Berlin Berlin sein und genieße die Stille …

Fehlende Blicke

Manche Blicke verschwinden irgendwann für immer aus dem eigenen Leben. Der Blick aus einem Hotelzimmer, das man nie wieder betreten wird. Der Blick aus der Wohnung einer Freundin, die sich plötzlich doch für den Anderen entschieden hat. Oder ein nie wiederkehrender Blick aus der elterlichen Wohnung, die für immer aufgegeben wird. 

Hier ist es der Blick auf den Leipziger Hauptbahnhof, Sonnenaufgang dahinter. Ein Blick, den man vermissen kann. Und der für jemanden, der zwischen den gebrochenen Sichtachsen großstädtischer Mehrstocker aufwachsen musste, die überraschende Erkenntnis barg, dass sich Licht am Horizont regt, lange bevor die Sonne aufgeht. 

Das lässt hoffen, erst recht auf neue Blicke. 

 

Endlich WE

Endlich Wochenende. Ein guter Grund, sich eine Woche lang darauf zu freuen. Pläne schmieden sich wie von selbst und alles, was schon immer erledigt werden sollte, wird heute angepackt. Gleich früh soll es losgehen. Ein paar flüchtige Bissen, einen kräftigen Schluck vom lauwarmen Kaffee und dann ab. Raus aufs Grundstück. Die Dachrinne leckt, die Tonnen sollen hinter Hecken verschwinden, der Weg neu gefasst werden. Die Zeit wird knapp, wie immer. Sonntagabend, Montagmorgen. Und bald wäre wieder Wochenende… Zum Glück läuft alles anders und alles bleibt liegen. Für dieses Wochenende. Und kuschelt.