wir sind nicht allein

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Gestern noch ging mir jene spöttelnde Warnung durch den Kopf (siehe Text am Tag vorher), sich angesichts eines nahen Endes, eines drohenden Untergangs, einer bevorstehenden Ablösung - nichts ahnend - in alltäglicher Gewissheit zu wiegen. Und einen Tag später scheint tatsächlich alles so weit: nichts bleibt mehr auf unsere eigene kleine Welt beschränkt, sollten wir wirklich nicht allein in den Weiten des Weltalls sein. 

Vor über 2000 Jahren schrieb Epikur, griechischer Philosoph: die Natur habe uns zur Gemeinschaft geschaffen. So war es nur eine Frage der Zeit, dass wir, frühmorgens, die Zeitung aufschlagen und lesen würden, was wir heute lesen: Es gibt sie doch - eine zweite Erde. Einen zweiten Planeten, 20 Lichtjahre entfernt zwar, aber auf dem Bedingungen herrschen, wie hier unten, bei uns. 

Passend zur Endzeitdiskussion über Klimawandel und bedrohlich zerstörte Existenzräume, gibt es also einen zweiten Weg. Und wie geht man damit um? Stört solch unerwartete Aussicht am Ende nur jene letzte Kraftanstrengung, die gerade - angesichts all der Schreckensszenarien über ein sich veränderndes Klima - in Gang gekommen ist und die immer ein nützlicher Nebeneffekt ausweglos scheinender Situationen ist: sich sammeln, gemeinsam vorankommen wollen? Nimmt diese freudige Nachricht, nun wäre ein Ausweichen - was ja wohl hieße: Flucht - ja auch noch möglich, den Wind aus den Segeln jenes Klippers, der gerade erst Fahrt aufgenommen hat, um die längst zerklüftete Küste unserer Welt vielleicht doch noch heil zu umrunden und nicht zwischen ölverklebten Vögeln, blutig geschlagenen Robben und ausgetrockneten Wattflächen stranden zu müssen? Besänftigt eine solch überraschende Nachricht also doch nur wieder jene, die sich auf diesem Klipper in lauteren und unlauteren Absichten versammelt haben, um seit ein paar Monaten die Flagge des Klimaschutzes vor sich herzuschwenken? Heißt es nun doch wieder: zurück an Land - alles halb so schlimm? Wird es uns hier unten auf der Erde zu trocken, zu stürmisch zu überflutet, zu stickig, kann die Karavane ja nun wenigstens weiter ziehen. Ab zum nächsten Planeten? Umsiedeln als brauchbare Alternative - nicht für heutige Menschen, die das kaum erleben werden - wohl aber für die Menschheit?

Trotzdem: die Ahnung, dass längst auch irgendwo anders möglich gewesen sei, was wir hier unten immer als unser alleiniges Recht gesehen haben: zu leben und sich eine Welt nutzbar zu machen, macht einen schon auf eine sanfte Weise glücklich. Vor allem wegen der stillen Hoffnung, jene fremden Wesen könnten schon immer alles besser gemacht haben, als wir hier unten. Dass sie sich ihre Welt nicht nur nutzbar gemacht, sondern sich mit ihr arrangiert haben könnten: respektvoll, wahrnehmend, rücksichtsvoll. 

Ein bisschen Schadenfreude mischt an diesem Tag nun schon mit - da habt ihr es: Besser geht es also doch!

 

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