Archive for Mai, 2007

Punker Leben - Abriss Leben

Mittwoch, Mai 30th, 2007

Autor: Dietmar Haiduk  

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Die Arbeit am Roman Abriss Leben nähert sich dem Ende …

Manchmal haben Menschen mein Leben berührt, die viele andere nur vom Wegsehen kennen: Schnorrer, Punks. Unter ihnen D., Schmuddelpunk und hoch intelligent. Ein wildes Kind, inmitten einer Großstadt, das in einem Abrisshaus lebte, fünfzehn Bier am Tag soff und wohl alle Drogen nahm, die es gibt und das, als ich es kennenlernte, das Reden verlernt hatte. Dem man sekundenlang gegenübersitzen und sehen konnte, wie seine Lippen versuchten, Worte zu finden. Das am Ende doch mit einer Handbewegung den Tisch vor sich leer fegte, um mit der Stirn auf die Holzplatte zu schlagen, weil es das, was es sagen wollte, nicht mehr anders aus seinem Kopf herausbekam.  >mehr

Zimmer der Tränen

Samstag, Mai 26th, 2007

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(…)

So glaubten wir, wovon man sprach.

Von Kanzeln, Podien und von Türmen.

Und waren doch – so ahnungslos – ein Nichts.

Wir hatten nicht gehofft, Jahrhunderte auch nie gewagt

zu fordern, was uns Anspruch wäre:

dass unser Dasein Wahres braucht.

Dass Leben nur zu prophezeien

uns nie für wahres Leben reichen wird.

Und, was uns blieb am Ende allen Glaubens,

war nur ein Traum – doch alles wert:

dass nur der Mensch dem andren Mensch,

der Freund dem Freund, der Mann der Frau,

der Sohn dem Vater, noch verpflichtet sei.

Dass frei von allem Glauben, aller Macht,

nur zählt, was in uns steckt.

Und Harmonie in allen Dingen

doch nur dem Ende allen Lebens gleicht.

Nicht Untertan! Nicht stumm!

Nicht ohne Widerspruch!

Und niemand sich verkauft der Macht,

des eigenen Friedens willen. (…)

aus: Zimmer der Tränen (Theaterstück) >mehr

 

rechtfertigung

Dienstag, Mai 22nd, 2007

seh dich hör dich kenn dich mag dich

will dich

riech dich spür dich lieb dich streichle dich

drück dich küss dich beiss dich

brauch dich such dich find dich

nicht

vermiss dich

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Druckfreigabe

Montag, Mai 21st, 2007

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Endlich ist es soweit: der Erzählband Mein Sommer mit Marleen ist vom Verlag zum Druck freigegeben. Die Spannung steigt, wie es gelingen wird, das Buch in die Öffentlichkeit zu bringen. Auch, wenn Marleen vor allem den Weg für die im September geplanten Veröffentlichungen ebnen soll. Mehr zum Inhalt des Buches findet man ab jetzt auch unter www.marleen.probelesen.info

Nachtrag: Profane Freundschaft von H. Brodkey

Mittwoch, Mai 16th, 2007

Bin mit Profane Freundschaft seit ein paar Tagen am Ende. Dieses Buch erzählt also von Hass und Liebe, von Macht und Unterwerfung zwischen zwei scheinbar fremden, unvereinbaren Charakteren, die eine tiefe Freundschaft verbindet … Es erzählt vom sich finden im Anderen … von der Möglichkeit, in einer Freundschaft das zu durchleben und zu proben, wozu das große, wirkliche, alltägliche Leben keine Zeit lässt … auch von der Erfahrung, dass man sich selbst in einer Freundschaft nie wirklich nahe kommt, welche Grenzen man auch überschreitet.

Spätestens an diesem Punkt war ich erschrocken. Nicht, weil ich es nicht längst geahnt hätte, sondern weil ich es lesen konnte: schwarz auf weiß. Festgeschrieben also. Denn wenn es mehr als einer erlebt - mehr, als nur man selbst - sind wir doch immer sofort bereit, etwas als gegeben, normal, üblich, als unausweichlich, hinzunehmen. Immer ist dies der Moment, in dem wir jene sogenannten (die!) Leute als Beweis anbringen, als sei unsere eigenen Erfahrungen allein durch sie und die von ihnen vermeintlich repräsentierte Mehrheit längst untermauert und als richtig bestätigt.    

In Profane Freundschaft geht es um die Vergänglichkeit der eigenen Herkunft, also dem Sog, der von jener vergangenen Zeit ausgeht und der einen nie wirklich loskommen lässt von dem, was man war, als man diese Welt betrat. Es geht also auch um das, was man ein Leben lang mit sich herumschleppt. Um Schwere des eigenen Lebens, die sich unaufhaltsam einstellt, je länger man nicht bereit ist, solchen Ballast von sich zu werfen.

Was bleibt? Melancholie  angesichts begriffener eigener Vergänglichkeit und der Trauer darüber, irgendwann als Freund/Freundin, Partner/Partnerin selbst von jungen Frauen oder jungen Männern, von hippen, modernen  Geschichten oder geänderten Ritualen abgelöst zu werden?

Das Buch erzählt von der Angst, verdrängt zu sein. Es zweimal gelesen zu haben, sollte mir reichen. Angst frisst auf.

 

Sich hechelnd durchs Leben bloggen?

Dienstag, Mai 15th, 2007

Im Idealfall kann Bloggen das Fortschreiben eines Gedankens sein - über Tage, vielleicht Wochen hinweg, nur dadurch erschwert, dass einem jede Stunde Hunderte neue Gedanken durch den Kopf gehen, sich auflösen, festhaken, im besten Fall einen nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Ein Vorgang, der einen täglich vor die Entscheidung stellt: was ist wichtig genug, um es als Quintessenz (hurra, wieder so ein altes Wort verwendet, das auszusterben droht!) für Andere, draußen in der Welt, in wenige Zeilen zu pressen. Immer die Gefahr fürchtend, dass die geposteten Texte der Vortage nichts, aber auch gar nichts, mit aktuell beschreibenswert scheinenden Dingen zu tun haben könnten.

Genau an dem Punkt aber wird es spannend. Wenn man sich selbst - dieser Gefahr entkommen wollend - dabei ertappt, in den nachgedachten Texten unsichtbare Linien zu suchen. Gedrängt vom eigenen Ehrgeiz, sich selbst zu überzeugen:  da müsse es doch eine innere Konsequenz des eigenen Denkens geben, man könne doch nicht gestern über Globalisierung nachdenken und heute über die Auswirkungen einer sich durch Lebensjahre bloggenden schreibwütigen Generation.

Plötzlich also steht die Frage im Raum, welcher rote Faden all dem Niedergeschriebenen inne liegt. Was haben Globalisierung und alltägliches Bloggen als Teil dieser neuen, weltweiten Bloggergesellschaft gemeinsam, dass die Beschäftigung mit beiden Themen zeitlich so nah liegt? Was verbindet die Themen: ihr gemeinsamer Hang zur Verflechtung? Der Zusammenschluss vor allem laustark sich Behauptender? Möglichst schräg. Die Rechtfertigung, Alltäglichkeit organisieren zu wollen - dort politisch und wirtschaftlich, hier schreibend - um sie so angeblich besser in den Griff zu bekommen: also Neuorganisation von Leben jenseits aller für Zusammenleben und Kommunikation bisher erprobter Konventionen, Begriffe, Regeln?

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Heute habe ich entdeckt: in einem Forum für junge Literatur können eigene Texte in Genre/Gattungs-Kategorien gepostet werden. Die Kategorie Dramatik > Tragödien beinhaltet tatsächlich jede Menge spannender Texte. Aber: es handelt sich um Prosatexte, die dramatisch enden. Was den Schreibenden selbst tragisch erscheint - manchmal auch nur wehmütig oder auf die eigene Tränendrüsen drückend, wird schon als Tragödie empfunden. Nicht einer dieser Texte jedoch ist im klassischen Sinne Dramatik oder gar eine Tragödie. Die Kriterien verschwimmen, die Genauigkeit verblasst. Es darf Schreiben können, wer Worte aneinanderfügt - manchmal erfreulich erfolgreich und ziemlich unkompliziert lesbar, oft aber erschreckend frei schwebend. Man reiht sich ein in die weltweit schreibende Gemeinschaft, um ja mitmischen zu können und zum globalisierten Kreis jener zu gehören, die den Anschluss nicht verpasst haben.

Ich ahne - egal wie, wo, womit - mich vor allem gegen jegliche Form der Globalisierung - nicht nur die politische, gesellschaftliche - im Leben zu wehren: vor allem gegen die Missachtung von Übereinkünften, die miteinander leben - also reden, handeln, tauschen, lesen, schreiben, treffen, zuhören, helfen usw. - erst ermöglicht, gegen Ignoranz allem Leisen und Schwachen gegenüber, gegen bloggerechtes, stakkatohaftes Leben: plattwalzend, zielorientiert und die Genauigkeit durch Banalität demütigend. Also auch gegen ein Schreiben, das das Festhalten von banal Alltäglichem nicht als wachen Blick auf leicht zu Übersehendes begreift, sondern als Möglichkeit zum Exhibitionismus eigener Existenz. Wohl wissend, wie schnell man selbst der Gefahr unterliegt.  

So gesehen, bin ich beruhigt: es gibt doch diesen einen Faden, der verbindet, was einem täglich durch den Kopf geht. So verschieden einem selbst die Themen mitunter erscheinen.

 

Was vom Tage übrig blieb …

Freitag, Mai 11th, 2007

Was für ein Tag … Ich lese in den Nachrichten etwas von einzurichtenden Sammellagern für G8-Gegner und von Büchern, deren Inhalte Grund sind für vorbeugende Razzien. Was für ein Land, noch immer. Wäre ein solcher Gedanke nicht absurd? Und wäre er nicht das Schlimmste, was diesem Land nach über 50 Jahren Demokratie passieren könnte?

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Das tägliche Leben des Herrn Grabowski …

Dienstag, Mai 8th, 2007

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Herr Grabowski hat es nicht leicht im Leben, aber dabei wenigstens jede Menge Spaß. Täglich hier

Leseprobe

Sonntag, Mai 6th, 2007

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So etwa muss es gewesen sein. So habe ich es mir gedacht, wenn es nicht in ihren Briefen stand. Denn auch die habe ich - Svenke, Tucher, Briefträger - ausnahmslos alle gelesen. Heimlich versteckt, immer mit der Mühe, so gut es ging, sie erneut zu verschließen und Marleen in die Hand zu drücken. Unschuldig lächelnd. Nur so war Marleen mir einen Sommer lang vertraut.

Ich weiß ich hätte es nicht tun sollen. Ich hätte Marleen so nie betrügen dürfen. Aber wie sonst hätte ich sie je kennen gelernt. Wie sonst hätte ich sie geliebt. Wie hätte ich sie schützen, um sie trauern und um sie bangen können. Wie hätte ich je von ihr geträumt, von dieser wundersamen Frau Marleen.

aus: “Mein Sommer mit Marleen”   >mehr