Die mediale Szenerie
Autor: Dietmar Haiduk
Die Nachrichten mögen sich auch an diesem Abend überschlagen, an dem von angeblich zurzeit stattfindender Aufrüstung inmitten von 10.000 Demonstrationen vor Kontrollpunkten um Heiligendamm die Rede ist. Das sind für den Moment scheinbar wichtige und scheinbar unzweifelhafte Fakten. Aber eben nur für den Moment, in Minuten oder Stunden kann alles anders aussehen. Das wirklich Bewegende sind die Mechanismen, die dahinter sichtbar werden.
So lese ich heute: von der offensichtlichen Gewaltorgie am Sonnabend mit über 1.000 Verletzten, unter ihnen fast 500 Polizisten bleiben in den Nachrichten von heute - nach statistisch anerkannten Kriterien - ganze 2 (zwei) schwerverletzte Polizisten übrig. Um Mißverständnisse auszuschließen: auch diese 2, wie alle anderen Verletzten, hätte es nie geben dürfen und jegliche Gewalt, egal ob gegen Sachen oder Menschen, ist falsch.
Aber - wir erleben auf einer in diesen Tagen konzentriert medial nachvollziehbaren Szenerie das alte Spiel: man hat den Eindruck, die Gefährlichkeit und die Bedrohung einer Situation wird argumentativ und medial aufgebaut, um den Gegner anschließend diffamieren zu können, zu demontieren, sein Ansehen, den Wert seiner Ziele, in Verruf zu bringen. Denn was im Raum steht, gilt. Wer sich verteidigen muss, sich gar rechtfertigen oder entschuldigen will, hat verloren. Er gesteht Schuld ein. Der, der die andere Seite auf diesen Weg zwingt, hat das Recht vermeintlich auf seiner Seite. Leider nicht der, der sich die vielleicht klügeren, fortschrittlicheren und bedenkenswerteren Ziele auf die Fahne geschrieben hat. Wer im Geiste zerstört gilt, ist es auch auf dem Feld. Auch das ist klassische Tragödie.