Archive for the ‘Absturz’ Category

Der Absturz … X+7, Die Ballade von John Meynard

Donnerstag, Februar 21st, 2008

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Ganze zehn Sekunden (sagt n-tv.de) bleiben also: ein minimales Zeitfenster, um zielgenau die Rakete auf Trefferkurs zu bringen. Das Schiff, von dem sie aus starten wird, heisst übrigens USS Lake Erie. Benannt wohl nach jenem Lake Erie - einem der fünf größten Seen Nordamerikas, an dem ausgerechnet auch die Ballade eines deutschen Schriftstellers spielt: John Meynard von Theodor Fontane. Sie erzählt von der wahren Begebenheit eines havarierenden Schiffes auf eben jenem See in der Mitte des 19. Jahrhunderts, von den unzähligen Toten, aber vor allem auch dem heroischen Kampf eines Steuermanns - John Meynard - der sein Leben opferte, um anderen Menschen zu helfen und das Schiff zurück an rettendes Land manövrierte. Jedenfalls in der Ballade Fontanes.

Was für ein heroischer Auftritt, dem heutigen Anlass angemessen - was für ein patriotischer Zufall, eben jenem Kriegsschiff Lake Erie den finalen Rettungsschuss auf einen uns bedrohenden - weil absturzgefährdeten - Satelliten zuzubilligen. Und wir Deutsche sind mal wieder mittendrin, jedefalls indirekt und dank Theodor Fontane, der es schon irgendwie immer geahnt haben muss, wie wichtig diese Geschichte einmal werden würde. In Wirklichkeit hieß John Meynard übrigens Luther Fuller, und er überlebte seine heroische Heldentat nur um den Preis, später dem Alkohol zu verfallen und als Trinker, dem Vernehmen nach, in einem Armenhaus gestorben zu sein. (Informationen von wikipedia.de - mehr zu den Hintergründen gibt’s dort nachzulesen:   www.wikipedia.de

Der Absturz … X+7

Mittwoch, Februar 20th, 2008

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Nun soll es also bereits in dieser Nacht geschehen: Der trudelnde Satellit soll abgeschossen werden, um kontrolliert zu verglühen. Und wenn es misslingt? Bleibt noch ein zweiter Versuch, ein dritter, ein vierter? Oder heißt es dann: hoffen, dass es andere trifft und dieses Monster von Technik anderen auf den Kopf fällt?

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Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gegen Null geht, sich beim Absturz des Metallkolosses tatsächlich zur falschen Zeit am falschen Ort zu befinden, wäre jetzt noch die Zeit, das Wichtigste zu erledigen. Was aber wäre das in solch einem letzten Moment, den man glaubt nachempfinden zu können aus unzähligen Katastrophenfilmen, die jene Weltuntergangsstimmung - oft schlecht genug - immer wieder verbreiteten? Was, wenn es irgendwann tatsächlich so phantasiereich oder ähnlich passieren würde?

Würde man dann doch noch einen letzten Versuch wagen und ein Ticket nach Kanada buchen, um die dort seit der Trennung lebende Ex-Freundin zu treffen? Einen letzten Versuch also unternehmen, um Ungeklärtes zu bereinigen, um klarzustellen, dass man doch immer gehofft hatte, alles würde noch einmal von vorne beginnen können? Würden uns in einem solchen letzten Moment - in der Gewissheit, nur noch wenige Tage zu bleiben - alle nur erdenklichen Versprechen leichtfertig, weil danach doch nicht mehr nachprüfbar, über die Lippen gehen: vom Verlangen nach Harmonie und Zweisamkeit und Toleranz und Verständnis? Würden wir alles daran setzen, um in Harmonie diese Welt zu verlassen? Oder würden wir erbittert bis zur letzten Sekunde aussprechen, was wir jahrlang sowieso nur in uns hineingefressen hatten - immer auf den letzten, großen Tag der Abrechnung hoffend, der ja nun - so es uns treffen würde - gekommen zu sein scheint?

Wofür mag man sich denn nun in einem solchen - angenommenen - letzten Moment entscheiden: für Ausgleich oder Konfrontation, für Rechthaberei oder Nachsicht, für Abrechnung oder für Vergebung? Und wie würde sich bei allem die ehemalige Freundin, Frau, Geliebte verhalten … ? Egal, was man sich vornimmt, es blieben also selbst in jenem letzten Moment jede Menge Unwägbarkeiten, von uns nicht bestimmbar. 

Soll es also laufen, wie es läuft, soll also kommen, was kommt …  X+7 bleiben, sofern der Abschuss in dieser Nacht misslingt.

Der Absturz … X+8

Dienstag, Februar 19th, 2008

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Er scheint unvermeidbar: jener amerikanische Satellit, den es unweigerlich zurück zu uns auf die Erde zieht, außer Kontrolle geraten und uns selbst demütigend in der Ohnmächtigkeit, die Geister, die wir (die sie, um genau zu sein …) beschworen, nicht mehr los zu werden. Was wird passieren, wenn in ein paar Tagen 2.500 kg verseuchtes Metall irgendwo auf dieser Erde aufschlagen, weil letzte Rettungsversuche, den trudelnden Satelliten mit einer Rakete von Bord eines Kriegsschiffes aus abzuschießen, fehlschlagen würden?

Ich lese vor ein paar Minuten, jener unheilvolle Koloss überquert täglich die Schweiz. Wer aber kann das noch wissen, wo doch alles außer Kontrolle geraten ist? Und wer kann mit Bestimmheit ausschließen, dass er nicht auch den einen oder anderen Schlenker Richtung Berlin trudelt? Wen wird es treffen? In wessen Vorgarten werden, wenn es passiert sein wird, vollschutzummantelte Gestalten mit der Dekontaminierung beginnen, weil die größte Gefahr von hochgiftigem Treibstoff ausgeht?

Und wie lebt es sich die verbleibenden Tage mit der Ahnung, zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen sein zu können, wenn das Monster irgendwann zu Boden gekracht sein wird. Was wird in den verbleibenden Tagen wichtig? X+8, acht Tage sollen noch bleiben, um die Gefahr zu bannen. Acht Tage, um Klarheit zu schaffen - die da draußen und ich hier bei mir … Koyannisquatsi.