Die lautlosen Erdbeben
Montag, April 6th, 2009Mit lautem Getöse geschehen, aber fast sang- und klanglos verhallt: Da bebt nur Stunden zuvor die Erde in Mittelitalien, es gibt Tote und Verletzte, aber das ganze Ereignis findet schon kurz darauf nur noch wenig Raum in der öffentlichen Wahrnehmung. Es ist interessant - schlaflos und deswegen schon früh am Morgen den Laptop vor sich - mitzuerleben, wie innerhalb von Minuten der Begriff “earthquake” in den Stichwortwolken solcher Micro-Blogging-Systeme wie Twitter an Relevanz gewinnt. Dutzende Nachrichten jagen von einem Freund zum anderen, Tagesschau und andere Redaktionen steigen bereits früh auf die Meldung ein, andere Nachrichtenredaktionen warten offensichtlich, bis die Bürozeit beginnt. Dann, gegen 7 Uhr, schwappt noch einmal eine Welle an Informationen aus den Web- und Blog-Redaktionen durchs Land, bevor - keine 3 Stunden nach dem Ereignis - die Informationen spärlicher werden und das Wort “earthquake” aus den Stichwortwolken fast völlig verschwindet. Der Alltag hat uns wieder: Wirtschafts-, Finanz- und andere ewige Krisen. Die Toten unter den eingestürzten Häusern im Erdbebengebiet in den Abruzzen sind wahrscheinlich noch nicht einmal geborgen.