TOP 100 “Lisa & Sophie”
Mittwoch, Januar 20th, 2010Dank allen, die in den letzten Tagen die Episoden der “Geschichte von Lisa und Sophie” gehört haben. Der Podcast hat es diese Woche in die TOP 100 deutschsprachiger Podcasts geschafft!
Dank allen, die in den letzten Tagen die Episoden der “Geschichte von Lisa und Sophie” gehört haben. Der Podcast hat es diese Woche in die TOP 100 deutschsprachiger Podcasts geschafft!
“Sophie hörte die Sirenen. Und doch war diesmal ich es, die - früher als sie - die Gefahr erkannte, denn ich sah lange vorher die Frauen und Männer, die sich schweigend hinter den Fenstern gegenüber um die beste Aussicht drängelten…”
Noch einmal wird die Freundschaft der beiden 16jährigen Lisa und Sophie beschwört, bevor sie an der Liebe einer der beiden Mädchen zu einem Jungen zerbricht. Eine Erzählung von Dietmar Haiduk als Audio-Podcast. Infos auch auf www.dietmarhaiduk.de und www.marleen. probelesen.info
Frauen. Manchmal hängen sie uns Männern wie ein Klotz am Bein. Oft aber hängen auch wir an ihnen. Verlassen sie uns dann irgendwann, rennen wir ihnen hinterher aus verletztem Stolz, den wir – dabei ertappt, von jeglicher Liebe zu dieser Frau nicht lassen zu können – nur allzu gern als Eifersucht ausgeben. Denn diese Eifersucht scheint uns weniger beschämend und unser männliches Selbstverständnis weniger beschädigen zu können, als das Eingeständnis von verletztem Stolz. Eifersucht verlangt immer mindestens zwei Seiten, wie ich damals begriff: den Eifersüchtigen, aber auch das Objekt der Eifersucht – jenen gehassten dritten Mann also, auf den sich fortan alle Wut konzentriert. Dieser Verweis auf einen anderen Schuldigen – unseren Nebenbuhler – scheint es uns leichter zu machen, mit einer aus den Fugen geratenen Situation zu leben. So lassen wir uns gern in Eifersucht umschmeicheln, denn erst diese gibt uns die Chance, einem anderen als uns selbst die Schuld am Leiden unserer Liebe zu geben. Auf dass nicht wir es sind, dem Vorwürfe zu machen wären. So - frei gekommen von der Schuld am Vergehen eigener Liebe - stilisieren wir uns sehr schnell zu Opfern einer dritten Macht: jenes fremden Liebhabers. Wir wären sogar bereit, einen Eid darauf zu schwören, frei von jeglicher Schuld am Dilemma unserer Beziehung zu sein – schließlich hätten wir unsere Frau oder Freundin wirklich gern noch auf Jahre geliebt … Sagen wir, weil uns nichts besseres mehr einfällt. (…)
(Leseprobe aus: ABRISS LEBEN, Dietmar Haiduk/Roman, unveröffentlicht) Text: Dietmar Haiduk
Geschafft, die gestrige Lesung hat sich gelohnt. Ein kleiner Kreis von Gästen, vielleicht 25, ein Mix aus vorgetragenen Kolumnen, Erzählungen - mal tiefsinnig still, mal laut amüsant. Nicht immer optimal im Nebeneinander, aber für die Gäste sicherlich unterhaltsam. Die übliche Aufregung gabs auch: das zu schwache Leselicht, der viel zu hohe Tisch, die vermissten Freunde, die man eingeladen hatte.
Nach einem solchen Abend nach Hause zu kommen, hat immer auch etwas Merkwürdiges: Für eine knappe Stunde stehst du im “Scheinwerferlicht”, alle Blicke fokusieren sich auf dich … - plötzlich aber schaltet jemand das Licht aus, es wird still um dich und ein schwarzes Loch tut sich vor dir auf. Hechelnd, um dem zu entgehen, klickst du dich durchs spätnächtliche Weltweitnetz, in der Hoffnung, irgendwo eine Nachricht, einen letzten, übersehenen Versuch einer Kommunikation zu finden, die dir gelten könnten - eine Email, einen geposteten Kommentar in deinen Blogs. Doch leider nichts. Es ist nachts halb zwei, als du beschließt: Alles ist wie immer, also ist Zeit zu schlafen.
22. Mai 2008, 21.00 Uhr, “Archivnacht” im Archiv Potsdam
SCHEMENTHEMEN
Lesung mit Myk Jung (The Fair Sex, Sonic Seducer Magazin, Negatief Magazin) und Dietmar Haiduk als Gast-Autor - präsentiert von der Archivnacht, Archiv Potsdam. Mit Schementhemen gibt es ab 2008 eine neue Veranstaltungsreihe mit dem Essener Musiker und Autor Myk Jung und dessen Repertoire. Themen, die die Schemen des Alltags durchleuchten. Literatur, Kunst, Musik, Photographie und Underground-Kultur mit wechselnden Gästen.
www.schementhemen.de
www.mykjung.de
der Hase
sucht seine Häsin
Schnee gefallen
(Passend zum Wetter und in Abwandlung japanischer Haikus, die dem Silbenrhythmus 5-7-5 folgen, wäre dies - leider nur in 3-5-4 Silben - mein Beitrag zum heutigen Tag der Poesie … Alles wird anders - was ja nicht schlimm ist, solange wir uns erinnern, was einmal war, bevor es anders wurde …)
wie du dich fühlst nimm hin
wie sehr du vermisst verzicht
wie oft du weinst wein
wen immer du liebst lieb
wen immer du brauchst brauch
wen immer du hasst hass niemals mehr
was gewesen ist vergiß
was ist lass geschehen
was sein soll lass sein
nie war schlimm auch schlimm genug
nie war gut auch gut genug
nie muss sein was niemals war
wo du gehst gibt es keinen Weg
wo du wiederkehrst bleibt keine spur
wo du warst fragt keiner nach dem Sinn
bleib wo du bist
geh wohin du willst
hoff was keiner hofft
Alles begann vor zwei Tagen, Sonnabendnachmittag. Beim Kramen in den Auslagen einer Buchhandlung entdecke ich die DVD eines Films von Andrej Konchalovsky: “Onkel Wanja”, nach dem Bühnenstück von Anton Tschechow. Für einen Moment verzaubern mich die Szenenfotos, ziehen sie mich in jene typische Atmosphäre Tschechow’scher Stücke aus verfallenden Landgütern Russlands und ihrem - gegen den Staub der Abwesenheit - unter weißen, unbefleckten Tüchern verhüllten Mobiliar, aus blühenden Kirschgärten und Birkenhainen. Plötzlich bin ich gefangen von jenem Nichts, das bei Tschechow immer nur die Ruhe vor einer Explosion zu sein scheint.
Die DVD lasse ich stecken, aber am Abend will der Zufall es, dass eine fast 50 Jahre altes Hörspielfassung eben jenes “Onkel Wanjas” im Radio läuft. Ich bleibe hängen, lausche fasziniert und beschließe, mir am nächsten Morgen die Stücke von Tschechow erneut vorzunehmen. So verbringe ich den Sonntag und den darauf folgenden, verregneten Montag mit Anton Tschechow: Am Ende habe ich seine Theaterstücke “Der Kirschgarten”, “Drei Schwestern”, “Die Möwe” erneut gelesen, dazu ein gutes Dutzend Erzählungen. Irgendwie passt alles zu jenem Wetter draußen vor den Fenstern - ein fast lautloser Dunst, der Kälte und dem Nieselwetter trotzend, hat sich scheinbar über die Stadt gelegt, und er scheint jeglichen Lärm zu verschlucken.
Diese Stille erleichtert es mir, mich zwischen verfallenen Gutshöfen und zerbrechenden Gesellschaften, jener Zeit um 1900 herum also, zurechtzufinden. Immer schwingt eine Sehnsucht nach einem anderen Leben, nach besseren Zeiten und fernen Gegenden in den Figuren Tschechows mit, immer ist die Liebe unglücklich und der Traum von ”mehr Leben” die einzige Hoffnung. Immer heißt es, Abschied nehmen von vermeintlich friedlichen Orten der Kindheit, des Lebens und der Liebe und immer ist der lautlose Zerfall einer Gesellschaft, einer am Ende befindlichen Adelsklasse, deren beste Zeiten längst vorbei sind, das Beherrschende.
Und Tschechow, selbst immer auch dem Selbstzweifel unterliegend, dass seine Stücke notwendige Dramatik, oft Handlung, entbehren, lässt passend auch die Selbstötung eines Verzweifelten nicht auf offener Bühne, sondern eher nebenbei und dadurch umso gewaltiger, geschehen. Immer leben die Menschen neben sich, der Zeit und dem wirklichen Leben.
Am Ende dieses Tschechow’schen Wochenendes, aufgetaucht aus dessen ferner, irgendwie aber wohl nahen Welt, rätsele ich, was uns zu ganz bestimmten Zeiten für ganz bestimmte Empfindungen empfänglich macht. Warum greifen wir an einem ganz bestimmten Tag einen Packen verstaubter Bücher aus dem Regal und lassen uns von ihren Geschichten vereinnahmen.
Und plötzlich ist da ein Bild vor den Augen: ein fast quadratisches Haus, etwas zu groß für ein Landhaus, nicht wirklich russisch, aber irgendwie danach aussehend, umgeben von einem weiß-grün gestrichenen, mannshohen Holzlattenzaun. Eine trügerische Idylle - denn gleichzeitig drängen sich jene News-Bilder von letzter Woche auf: von beanzugten Zivilbeamten, die Kisten voller Akten aus diesem Haus tragen, von zwei noblen Luxuskarossen, deren Eleganz nur durch zwei aufgesetzte Blaulichter getrübt wird und von einem - wie es heisst: freiwillig zur Aussage über seine Steuergeschäfte - hinwegfahrenden Chef eines großen Unternehmens.
Und plötzlich hat jenes, sich beim Lesen Tschechow’scher Stücke breit machende Gefühl von Zerfall, Ende einer Ära, Zerwürfnis einer Gesellschaft, vom Ende eines Glaubens an Moral, seine reale Entsprechung. Plötzlich ahnt man, was Tschechow aktuell macht: dass sich leise und unter dem Schutz scheinbar unbefleckter, weißer Tücher längst Werte zersetzen, die Grundfeiler gesellschaftlicher Existenz sein sollten.
Der Weblog zum neuen Buch Blogistiv 1.0 - Notizen eines Jahres
ist zu finden unter www.blogistiv.probelesen.info
Weltweit wird gebloggt.
Was ist das? Der Versuch, sich ersatzweise durch ein virtuelles Zweitleben zu hecheln? Nur eine zeitgemäße Möglichkeit, sich selbst zu inszenieren? Oder vielleicht doch die Hoffnung, das wirkliche Leben - schreibend - zu begreifen? Was aber bliebe, wenn das Wesen Mensch irgendwann mutiert wäre zu einem Wesen mit stark ausgeprägten und auf das schnelle Anschlagen von Computertasten spezialisierten Fingern, aber einem, von erstarrten, kaum noch notwendigen Muskeln, ins Fratzenhafte verkümmerten Mund, der als Organ des Sprechens längst seine Funktion verloren hätte?
Dietmar Haiduk, Blogistiv 1.0 - Notizen eines Jahres, 120 Seiten, Taschenbuch, Veröffentlichung: ca. März 2008 mehr
Da habe ich es heute endlich geschafft mir jenes letzte, seit Jahren in meiner Werksammlung fehlende Buch Christa Wolfs zu kaufen: ausgerechnet Störfall - Nachrichten eines Tages. Nun liegt es auf meinem Tisch - auf dem Stapel ungelesener kleiner, dünner Bücher, die ich mir - wie ich merke - als Vorrat für schwere Zeiten zurechtlege - griffbereit für jene Augenblicke, in dem nur die Flucht in eng beschriebene Zeilen Zufriedenheit zurückbringen könnte: Michel de Montaigne, Von der Freundschaft - Donna Leon, Mein Venedig - Anna Achmatowa, Liebesgedichte … - Bücher, von denen ich behutsam fast jeden Tag den Staub wische, mein kleiner Schatz für bedürftige Zeiten …
Nun also landet auch Störfall auf diesem kleinen Stoß besonderer Gedichte, Erzählungen und Essays und doch zögere ich, darinnen zu lesen. Die alte Frage kommt wieder auf: was bestimmt die Zeitlosigkeit von Literatur? Warum will ich ein Buch lesen, das vor 21 Jahren seine Brisanz hatte, das - anders als die meisten der Wolf’schen Bücher - in großer Nähe zum reflektierten Ereignis geschrieben wurde und nicht erst, nachdem dessen Legendenbildung längst eingesetzt hatte? Warum wird heute noch Thomas Mann gelesen - selbst für eine Neuverfilmung ist er immer noch gut, so gerade die der Buddenbrokks mit Armin Müller Stahl, wie zu hören ist. Warum aber liest kaum einer noch Heinrich Böll, warum ist er gut 20 Jahre nach seinem Tod aus den Buchhandlungen fast verschwunden?
Warum also Störfall? Demnächst wird mehr dazu hier stehen … mehr

für P. für M. für C. und auch für G.
ich hab dich nie gesucht
und trotzdem gibt es dich
ich hab dich nie gewollt
und trotzdem brauch ich dich
ich hab dich nie erkannt
und trotzdem spür ich dich
ich hab mich oft versteckt
und trotzdem kennst du mich
du warst mir immer nah
hab trotzdem dich vermisst
ich hoffte ein leben lang
und hab dich nie geküsst
ich werd dich nie verlassen
und trotzdem wirst du gehen
ich werd dich immer halten
und trotzdem wirds geschehen
ich wünsch dir alles glück
und trotzdem nie genug
was sollt ich dir bedeuten
wo alle hoffnung ich begrub
ich hatte einen traum voll sehnsucht
und trotzdem ward mir kalt
nun starre ich nachts ins dunkle
und du du fehlst in allem
*** mehr Leseproben gibt es auf ProbeLesen.info
Die Angst, der Fülle an Büchern nicht hinterherlesen zu können. Die Befürchtung, all die Stapel auf Tischen, neben dem Bett und in den Regalen nicht schaffen zu können. Es fehlt einfach Zeit, sich nur darauf zu beschränken. Aber, was wäre das denn für ein Leben: nur aus zweiter Hand und gefiltert? In eine Welt zwischen ein paar hundert Seiten und zwei leinengebundenen Klappdeckeln abzutauchen - während vor meinem Fenster die johlenden, schon angetrunkenen Samstagabendhorden vorbeiziehen?
Keine Frage, vor diese Entscheidung gestellt wäre mir ein Leben aus zweiter Hand dann doch lieber.
Habe mir heute endlich einmal das erste Buch aus der seit Jahren in meinem Regal stehenden 10bändigen Werkausgabe von Günter Grass vorgenommen. Irgendwann hatte ich die einem guten Freund abgekauft, der die Romane, Novellen, Gespräche und Essays allerdings so wenig gelesen haben muss, wie zuvor sein Vater, in dessen Nachlass mein Freund die - trotz der fast 15 Jahre immer noch erstaunlich ungefledderten - Paperbacks irgendwann vorgefunden hatte. Nun also liegen die Bücher auf meinem Tisch und ab heute Katz und Maus beim Lesen zwischen meinen Händen. Mehr dazu demnächst.
Jahrelang dümpeln Texte vor sich hin - auf diesen kleinen, längst veralteten Disketten, auf diversen Festplatten diverser Rechner. Manchmal hat der eine oder andere dieser Texte es schon geschafft, sich auf Papier auszubreiten: ausgedruckt, um kurz danach irgendwo - vergilbt - zu enden. Ein Wort wie ein Name: kurze Texte, in der Tradition klassischer Haikus, meist gleichsilbrig 5 – 7 – 5. Was nicht immer, ich gestehe, gelingt. Aber auch mit weniger Silben lassen sich Worte zum Klingen bringen. Denn nicht immer lässt sich, was man aufschreiben will, wirklich in eine Form zwingen. Davon also heute eine weitere Leseprobe, wie schon in den letzten Wochen geschehen. Geplant ist im Dezember übrigens ein Band mit Fotos und Dutzenden solcher kurzen Texte. Mehr gibts dann auch wieder rechtzeitig auf ProbeLesen.info
LIEBESKUMMER
der tropfen fällt
und bricht so wolkenherz
für regen
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RELATIVITÄTSTHEORIE
herbstblatt fällt
und klemmt dem käfer
beine ein
ZU FRÜH GEFREUT
der käse will im
bauch der maus entfliehen
da schlägt die falle zu
Mehr zum Thema Albert Einstein und Potsdam gibt es übrigens auf www.himmel-über-Potsdam.de
Es lässt sich wohl nicht vermeiden, dass in Zeiten wie diesen, angesichts täglich neu über Bildschirme flimmernder Bilder, sich alle Gedanken um jenen Gipfel in Heiligendamm drehen. Heute waren es Bilder von einer lebendrohlichen Jagd auf Menschen - Greenpeace Aktivisten in Schlauchbooten, die verbotenermaßen versuchten in eine gesperrte Wasserzone einzudringen. Offensichtlich ein Polizeiboot überfährt auf dieser Jagd eines der Schlauchboote, drückt es fast unter Wasser. Die Aktivisten sind - trotz sichtbar erhobener, kapitulierender Hände - massiver Gefahr ausgesetzt - auch wenn sich alles letztendlich als ein Unfall erweisen sollte.
Was bleibt einem angesichts der Ratlosigkeit, die auf solche Bilder nur folgen kann? Man zieht sich zurück in seine Bücher. Man sucht Schutz, hält sich Augen und Ohren zu. Und dabei fällt einem ausgerechnet eine der schönsten deutschen Novellen in die Hände: Heinrich von Kleist’s Michael Kohlhaas - geschrieben im Jahre 1808. Im nächsten Jahr jährt sich dies zum 200. Mal. Michael Kohlhaas ist die Geschichte eines zu den Herrschenden gehörenden Gutsherren, der wegen Nichtigkeiten vergeblich um sein Recht kämpft und der am Ende vor ohnmächtiger Wut selbst zum Ungerechten wird und eine ganze Stadt, Wittenberg im heutigen Osten Deutschlands, in Schutt und Asche legt. Er scheitert, weil er sich derselben Mittel bedient, gegen die sich sein Protest einst richtete. Wo Gewalt Gewalt gebiert, läuft alles aus dem Ruder.
Ich beschließe, die flimmernden Bilder abzuschalten und heute Abend Heinrich von Kleist zu lesen.
Die Wirklichkeit scheint nie zu sein, was wir dafür halten … So schnell konnte man dann doch nicht damit rechnen, was sich zu bestätigen scheint: der Fernsehsender n-tv berichtet, dass heute Nachmittag Demonstranten um Heiligendamm in ihrer Mitte einen angeblich verdeckten Ermittler entarnt haben, der - in schwarzer Kleidung und vermummt - als Teil des Schwarzen Blocks - andere Demonstranten zum Steinewerfen und gewalttätigen Vorgehen gegen die Polizei angestachelt haben soll.
Also doch nicht grundlos die Frage: wem nützt es? Aber was, wenn auch diese Enttarnung inszeniert ist, um Argumente zu haben? Was ist wahr, was ist behauptet? Wer und was steckt hinter den Dingen? Und immer wieder: Wem nützt es, was passiert? Warum passiert etwas? Rostock und Heiligendamm könnten zu einem ganz neuen Lehrstück werden …
Nie bildet nur, was selbst erlebt, sondern vor allem: was selbst erfahren wird, den Grundstock, auf dem Schreiben möglich ist. Egal, wie weit man von den Dingen entfernt ist - oder sich entfernt glaubt.
Es ist geschafft und aus den Ideen zu Mein Sommer mit Marleen ist tatsächlich ein fühlbares, lesbares Buch geworden. Noch wird es einige Zeit brauchen, bis es richtig beworben wird. Erst im September, zusammen mit Abriss Leben und Zimmer der Tränen, schließlich ist alles mit einem enormen organisatorischen und finanziellen Aufwand verbunden, so dass es besser ist, alles zu bündeln. mehr
Autor: Dietmar Haiduk
Die Arbeit am Roman Abriss Leben nähert sich dem Ende …
Manchmal haben Menschen mein Leben berührt, die viele andere nur vom Wegsehen kennen: Schnorrer, Punks. Unter ihnen D., Schmuddelpunk und hoch intelligent. Ein wildes Kind, inmitten einer Großstadt, das in einem Abrisshaus lebte, fünfzehn Bier am Tag soff und wohl alle Drogen nahm, die es gibt und das, als ich es kennenlernte, das Reden verlernt hatte. Dem man sekundenlang gegenübersitzen und sehen konnte, wie seine Lippen versuchten, Worte zu finden. Das am Ende doch mit einer Handbewegung den Tisch vor sich leer fegte, um mit der Stirn auf die Holzplatte zu schlagen, weil es das, was es sagen wollte, nicht mehr anders aus seinem Kopf herausbekam. >mehr