Bin mit Profane Freundschaft seit ein paar Tagen am Ende. Dieses Buch erzählt also von Hass und Liebe, von Macht und Unterwerfung zwischen zwei scheinbar fremden, unvereinbaren Charakteren, die eine tiefe Freundschaft verbindet … Es erzählt vom sich finden im Anderen … von der Möglichkeit, in einer Freundschaft das zu durchleben und zu proben, wozu das große, wirkliche, alltägliche Leben keine Zeit lässt … auch von der Erfahrung, dass man sich selbst in einer Freundschaft nie wirklich nahe kommt, welche Grenzen man auch überschreitet.
Spätestens an diesem Punkt war ich erschrocken. Nicht, weil ich es nicht längst geahnt hätte, sondern weil ich es lesen konnte: schwarz auf weiß. Festgeschrieben also. Denn wenn es mehr als einer erlebt - mehr, als nur man selbst - sind wir doch immer sofort bereit, etwas als gegeben, normal, üblich, als unausweichlich, hinzunehmen. Immer ist dies der Moment, in dem wir jene sogenannten (die!) Leute als Beweis anbringen, als sei unsere eigenen Erfahrungen allein durch sie und die von ihnen vermeintlich repräsentierte Mehrheit längst untermauert und als richtig bestätigt.
In Profane Freundschaft geht es um die Vergänglichkeit der eigenen Herkunft, also dem Sog, der von jener vergangenen Zeit ausgeht und der einen nie wirklich loskommen lässt von dem, was man war, als man diese Welt betrat. Es geht also auch um das, was man ein Leben lang mit sich herumschleppt. Um Schwere des eigenen Lebens, die sich unaufhaltsam einstellt, je länger man nicht bereit ist, solchen Ballast von sich zu werfen.
Was bleibt? Melancholie angesichts begriffener eigener Vergänglichkeit und der Trauer darüber, irgendwann als Freund/Freundin, Partner/Partnerin selbst von jungen Frauen oder jungen Männern, von hippen, modernen Geschichten oder geänderten Ritualen abgelöst zu werden?
Das Buch erzählt von der Angst, verdrängt zu sein. Es zweimal gelesen zu haben, sollte mir reichen. Angst frisst auf.