Archive for the ‘Literatur’ Category

Zimmer der Tränen

Samstag, Mai 26th, 2007

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(…)

So glaubten wir, wovon man sprach.

Von Kanzeln, Podien und von Türmen.

Und waren doch – so ahnungslos – ein Nichts.

Wir hatten nicht gehofft, Jahrhunderte auch nie gewagt

zu fordern, was uns Anspruch wäre:

dass unser Dasein Wahres braucht.

Dass Leben nur zu prophezeien

uns nie für wahres Leben reichen wird.

Und, was uns blieb am Ende allen Glaubens,

war nur ein Traum – doch alles wert:

dass nur der Mensch dem andren Mensch,

der Freund dem Freund, der Mann der Frau,

der Sohn dem Vater, noch verpflichtet sei.

Dass frei von allem Glauben, aller Macht,

nur zählt, was in uns steckt.

Und Harmonie in allen Dingen

doch nur dem Ende allen Lebens gleicht.

Nicht Untertan! Nicht stumm!

Nicht ohne Widerspruch!

Und niemand sich verkauft der Macht,

des eigenen Friedens willen. (…)

aus: Zimmer der Tränen (Theaterstück) >mehr

 

rechtfertigung

Dienstag, Mai 22nd, 2007

seh dich hör dich kenn dich mag dich

will dich

riech dich spür dich lieb dich streichle dich

drück dich küss dich beiss dich

brauch dich such dich find dich

nicht

vermiss dich

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Druckfreigabe

Montag, Mai 21st, 2007

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Endlich ist es soweit: der Erzählband Mein Sommer mit Marleen ist vom Verlag zum Druck freigegeben. Die Spannung steigt, wie es gelingen wird, das Buch in die Öffentlichkeit zu bringen. Auch, wenn Marleen vor allem den Weg für die im September geplanten Veröffentlichungen ebnen soll. Mehr zum Inhalt des Buches findet man ab jetzt auch unter www.marleen.probelesen.info

Nachtrag: Profane Freundschaft von H. Brodkey

Mittwoch, Mai 16th, 2007

Bin mit Profane Freundschaft seit ein paar Tagen am Ende. Dieses Buch erzählt also von Hass und Liebe, von Macht und Unterwerfung zwischen zwei scheinbar fremden, unvereinbaren Charakteren, die eine tiefe Freundschaft verbindet … Es erzählt vom sich finden im Anderen … von der Möglichkeit, in einer Freundschaft das zu durchleben und zu proben, wozu das große, wirkliche, alltägliche Leben keine Zeit lässt … auch von der Erfahrung, dass man sich selbst in einer Freundschaft nie wirklich nahe kommt, welche Grenzen man auch überschreitet.

Spätestens an diesem Punkt war ich erschrocken. Nicht, weil ich es nicht längst geahnt hätte, sondern weil ich es lesen konnte: schwarz auf weiß. Festgeschrieben also. Denn wenn es mehr als einer erlebt - mehr, als nur man selbst - sind wir doch immer sofort bereit, etwas als gegeben, normal, üblich, als unausweichlich, hinzunehmen. Immer ist dies der Moment, in dem wir jene sogenannten (die!) Leute als Beweis anbringen, als sei unsere eigenen Erfahrungen allein durch sie und die von ihnen vermeintlich repräsentierte Mehrheit längst untermauert und als richtig bestätigt.    

In Profane Freundschaft geht es um die Vergänglichkeit der eigenen Herkunft, also dem Sog, der von jener vergangenen Zeit ausgeht und der einen nie wirklich loskommen lässt von dem, was man war, als man diese Welt betrat. Es geht also auch um das, was man ein Leben lang mit sich herumschleppt. Um Schwere des eigenen Lebens, die sich unaufhaltsam einstellt, je länger man nicht bereit ist, solchen Ballast von sich zu werfen.

Was bleibt? Melancholie  angesichts begriffener eigener Vergänglichkeit und der Trauer darüber, irgendwann als Freund/Freundin, Partner/Partnerin selbst von jungen Frauen oder jungen Männern, von hippen, modernen  Geschichten oder geänderten Ritualen abgelöst zu werden?

Das Buch erzählt von der Angst, verdrängt zu sein. Es zweimal gelesen zu haben, sollte mir reichen. Angst frisst auf.

 

Das tägliche Leben des Herrn Grabowski …

Dienstag, Mai 8th, 2007

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Herr Grabowski hat es nicht leicht im Leben, aber dabei wenigstens jede Menge Spaß. Täglich hier

Leseprobe

Sonntag, Mai 6th, 2007

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So etwa muss es gewesen sein. So habe ich es mir gedacht, wenn es nicht in ihren Briefen stand. Denn auch die habe ich - Svenke, Tucher, Briefträger - ausnahmslos alle gelesen. Heimlich versteckt, immer mit der Mühe, so gut es ging, sie erneut zu verschließen und Marleen in die Hand zu drücken. Unschuldig lächelnd. Nur so war Marleen mir einen Sommer lang vertraut.

Ich weiß ich hätte es nicht tun sollen. Ich hätte Marleen so nie betrügen dürfen. Aber wie sonst hätte ich sie je kennen gelernt. Wie sonst hätte ich sie geliebt. Wie hätte ich sie schützen, um sie trauern und um sie bangen können. Wie hätte ich je von ihr geträumt, von dieser wundersamen Frau Marleen.

aus: “Mein Sommer mit Marleen”   >mehr

Ignoranz

Dienstag, April 24th, 2007

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ignoranz

untergang

aber die sonne strahlt

nichts ahnend

Büchertag

Montag, April 23rd, 2007

Das war er also, der 23. April, der weltweite Tag des Buches. Ich aber habe nicht eine Seite gelesen, nicht ein einziges Buch gekauft, um damit meine Regale aufzufüllen. Ich habe keine einzige Zeile geschrieben, abgesehen von diesen wenigen hier an dieser Stelle, in diesem Moment. Und auch nicht ein einziger Satz aus einer Erzählung, einem Roman, einem Theaterstück, den ich vielleicht irgendwann einmal für behaltenswert gehalten hatte, drängte sich mir heute auf.

Stattdessen: bei einem Espresso im Bagels die Zeitung gelesen, später mit dem Hund zum Arzt und mit dem defekten Mountainbike zum Schlauchkauf. Zwischendurch ein Palak Panir beim Inder an der Ecke, mit der Krankenversicherung über anfallende Kosten und mit einem Freund über Lebensansichten gestritten … Der Welttag des Buches verlief also auf ganz unspektakuläre Weise in meiner eigenen, an diesem Montag ganz gut überschaubaren, Welt.

Und doch: am Ende werden sich aus diesem Tag wieder hunderte kleine Erinnerungssplitter in mein Gedächtnis eingegraben haben, dort - locker angedockt - jederzeit abrufbar, wenn - am Beginn einer neu zu schreibenden Geschichte - mal wieder ein beunruhigend weißes Blatt Papier vor mir liegt. So gesehen ist jener Welttag des Buches wohl dann am nützlichsten, wenn es Dinge zu erleben gibt, aus denen irgendwann, komprimiert, der Grundstock eines neuen Buches werden könnte.  Dann hat sich der Tag gelohnt.

Die Sehnsucht nach Venedig

Freitag, April 20th, 2007

Lese Profane Freundschaft von Harold Brodkey. Ein wirres Spiel von Gedanken, geiler Lust und Leben in einer traumhaften Stadt des 20. Jahrhunderts. In den letzten Tagen glaubte ich, die Genauigkeit der Beschreibung einer Freundschaft lassen mich das Buch immer wieder zur Hand nehmen. Aber es scheint etwas anderes zu sein: die enttäuschende Erkenntnis, dass in einer faszinierenden Stadt wie Venedig – für den Außenstehenden und aus weiter Ferne Beobachtenden doch immer nur der Inbegriff des Harmonischen, des Vollendeten, des Ästhetischen – alltägliches Leben auch profan, verletzend, schäbig und unliebsam sein kann. Venedig als eine missverstandene Stadt und Lesen über sie als Klärungsprozess?

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Brodkey skizziert Venedig als Stadt menschlich und ekstatisch. Ich ahne, was mich in wenigen Wochen ein zweites Mal in diese Stadt treibt.

bedrückende Nähe

Donnerstag, April 19th, 2007

Ein merkwürdiges Gefühl, am Morgen eine große Berliner Zeitung aufzuschlagen und - auszugsweise - die Theatertexte jenes Amokläufers zu lesen. Er schrieb also auch. Und er schrieb auch mehr, als das heute noch zum alltäglichen Dasein zwingend notwendig wäre. Verwirrt, wie es schien, war er – in sich und mit allem um sich zerrissen, am Ende wohl nicht mehr er selbst. Heißt es. Aber wahrscheinlicher ist doch, dass er nie so sehr er selbst war, wie an jenem letzten Montagmorgen in Blacksburg. Was, wenn auch er nur aus Gründen geschrieben hat, die einen selbst täglich an den Rechner treiben:  sich in den eigenen Texten selbst zu finden. Sich selbst mit Worten zu ergründen. Das eigentlich Beklemmende ist zu erkennen, dass ausgerechnet das Schreiben einen mit diesem  Menschen verbunden hat. Schlimmer: dass Schreiben allein also nie heißen muss, am Ende besser dazustehen, als vorher. Vielleicht weiß man mehr, vielleicht wäre es manchmal aber auch  besser, Gras über Verschüttetes wachsen zu lassen. Nichts hervorquellen zu lassen, was einen im simpelsten Fall überraschen, im schlimmsten entgleiten könnte. Allein, dass man schreibt und reflektiert, was einen umgibt, heißt also wohl noch lange nicht, der Welt näher zu kommen. Es kann einen auch von dieser entrücken auf das größte mögliche Maß.

Vom Schatten des Realen

Mittwoch, April 18th, 2007

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Lese Christa Wolf, Leibhaftig. Die Geschichte einer kranken Frau, die auf dem OP-Tisch in die Tiefen ihrer eigenen Seele hinab steigt. Eine Erinnerung an das, was sie in ihren Lebensjahren prägte, an all die Fragen, die nie beantwortet wurden. Das Bild, das Motto zu sein scheint für Wolf - die ins Unendliche laufende Verlängerung der spiegelartigen Bilder auf einer Libby’s Milchdose, zum ersten Mal beschrieben in Kindheitsmuster 1975 - taucht auch hier erneut auf. Die Beschreibung eines Abstiegs in die Luftschutzräume tief liegender Keller ist in Leibhaftig auch ein  Abstieg in nie endende Spiegelwelten: hinter einer überwunden geglaubten Welt taucht – statt der erhofften Weitläufigkeit und Freiheit – wiederholt das Spiegelbild der doch eben erst durchschrittenen Räume auf. Dass wir also nie der Welt, die uns umgibt, wirklich entkommen können. Was mich tötet, zu gebären. (Karoline von Günderode in Schatten eines Traumes von C. Wolf) Was uns tötet! (Blacksburg)

Der Kreis schließt sich.

Hier bei uns in Blacksburg

Montag, April 16th, 2007

Was für ein Dilemma in dieser Welt: während man sich selbst eben noch den Kopf zerbricht über Sinn und Unsinn eines schnöden Buchcover-Entwurfs, stirbt einige Flugstunden entfernt - im amerikanischen Blacksburg - ein Mensch nach dem anderen … Heute ist Montag, der 16. April 2007, ein lauer Frühsommer-Abend in Potsdam, 20 Grad. Draußen, vor den Fenstern, in den Kneipen der Straße, lärmen die, die sich amüsieren wollen.

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Hier drinnen und je öfter ich den Browser meines Rechners auf aktualisieren schalte, werden in jenem Blacksburg offensichtlich immer neue Leichen geborgen. Vor vier Stunden waren es 22, jetzt sind es 33 tote Studenten.

Wie viele werden es morgen früh sein - nach dem Aufstehen? Oder was wird dann auf dieser Welt Schlimmeres geschehen sein? Man will nicht hinausschauen in diese Welt. Aber: Warum sollte man dann hier sitzen und noch schreiben? Die ewige Frage: Was würde Schreiben noch für Sinn machen, ohne diese Welt?

Wer bloggt, vertraut.

Montag, April 16th, 2007

Bloggen scheint zu sein wie Schreiben: es gibt Zeiten, in denen man sich nichts und niemandem anvertrauen will. Erst recht nicht einem solch offenen Weg, wie er sich über einen :blog herstellt … Deswegen fast zwei Wochen Pause …

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Außerdem: ich bin mit den Entwürfen für MARLEEN immer noch nicht wirklich zufrieden. Auch nach einem zweiten Entwurf nicht. Was macht man? Man bestellt sich die entsprechende Layout-SW und macht sich selbst an die Arbeit …

Buchmacher …

Mittwoch, März 28th, 2007

Die Texte für Marleen sind fertig. habe die ursprünglich geplanten Verse und Gedichte herausgenommen. Die Konzentration auf die fünf verbleibenden Erzählungen offenbart: es geht in allen dieser Texte um Verlassen, Abreisen, Ankommen, die Sehnsucht, an einem anderen Ort zu leben, als gewohnt … Schreiben kann also doch Neues offenbaren - mehr, als man vorher ahnte … Und dann, längst befürchtet, bricht Wirklichkeit ein: Die mühsame Arbeit der Endkorrekturen beginnt. Diese katastrophalen Rechtschreibregeln nerven mich. So sehr, wie in diesen Tagen, werde ich mich wohl nie wieder damit beschäftigen …  Wenn es geschafft ist, werden die Texte gesetzt. In zwei Wochen ist Mein Sommer mit Marleen tatsächlich ein Buch.

 

Marleen

Donnerstag, März 22nd, 2007

marleen-cover-shot.jpg Der erste Entwurf für den Schutzumschlag Mein Sommer mit Marleen. Der Stil aller folgenden Bücher ist vorgegeben. Jetzt weiß man, in welche Richtung es gehen wird. (Gestaltung Schutzumschlag: Markus Natusch)

sich verkaufen

Donnerstag, Februar 15th, 2007

Die unvermeidliche Diskussion beginnt; was verkauft man - sich selbst, das Projekt, das Thema? Geht es überhaupt um Verkaufen oder vorallem darum, sich endlich die Seele heraus zu schreiben, um andere teilhaben zu lassen und dann also darum, für diesen Vorgang der Entblößung die passende, möglichst effektive Form zu finden? Es wird Ernst. So müssen sich alpine Downhiller in jenem Moment fühlen, in dem sie aus dem sturmgeschützen Verschlag hinaustreten und der Wind sie unweigerlich ins Tal ziehen wird. Immer in der Hoffnung, heil anzukommen…

Es geht los!

Mittwoch, Februar 14th, 2007

Wir habe die Domain bestellt und mit dem Bauen der Webseite begonnen. Es wird dauern, zwei, vielleicht drei Wochen. Parallel beginnen wir mit den Arbeiten an der Drucklegung der Bücher.