Archive for the ‘Potsdam’ Category

vergebens geklagt

Montag, Januar 18th, 2010

da wird man wieder einmal der eigenen verklärung überführt: seit 1964 gab es angeblich, wie zeitungen heute melden, keinen längeren zeitraum, in denen die Sonne über potsdam es nicht geschafft hatte, durch die wolken zu brechen …

in den vergangenen 11 tagen lebten wir also ohne einen strahl grellen lichtes, ohne ein fleckchen blauen himmel über uns … ganze elf tage halten wir dies gerade einmal aus - und damit doch länger, als je in den vergangenen 46 jahren. dabei hätten wir  schwören können, solche art lichtlose tristesse hat unser ganzes leben begleitet und wäre hier, mitten in europa, doch tag und täglich das normalste. und doch: nichts von alledem ist wahr. keine sonnenlosen winter, keine wolkenverhangenen sommermonate, statt dessen: in unserem leben war - jedenfalls wenn wir nicht älter als 46 sind - immer mehr sonne, als wir beklagt haben. oder gerne beklagt hätten …

jedenfalls sofern wir nicht älter als 46 sind …

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Park Sanssouci, Potsdam (Foto: Dietmar Haiduk)

Schwarzes Loch …

Freitag, Mai 23rd, 2008

Geschafft, die gestrige Lesung hat sich gelohnt. Ein kleiner Kreis von Gästen, vielleicht 25, ein Mix aus vorgetragenen Kolumnen, Erzählungen - mal tiefsinnig still, mal laut amüsant. Nicht immer optimal im Nebeneinander, aber für die Gäste sicherlich unterhaltsam. Die übliche Aufregung gabs auch: das zu schwache Leselicht, der viel zu hohe Tisch, die vermissten Freunde, die man eingeladen hatte.

Nach einem solchen Abend nach Hause zu kommen, hat immer auch etwas Merkwürdiges: Für eine knappe Stunde stehst du im “Scheinwerferlicht”, alle Blicke fokusieren sich auf dich … - plötzlich aber schaltet jemand das Licht aus, es wird still um dich und ein schwarzes Loch tut sich vor dir auf. Hechelnd, um dem zu entgehen, klickst du dich durchs spätnächtliche Weltweitnetz, in der Hoffnung, irgendwo eine Nachricht, einen letzten, übersehenen Versuch einer Kommunikation zu finden, die dir gelten könnten - eine Email, einen geposteten Kommentar in deinen Blogs. Doch leider nichts. Es ist nachts halb zwei, als du beschließt: Alles ist wie immer, also ist Zeit zu schlafen.

Neuerscheinung: Blogistiv 1.0 Notizen eines Jahres

Mittwoch, Mai 21st, 2008

Soeben erschienen:  Blogistiv 1.0 - Notizen eines Jahres von Dietmar Haiduk

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Weltweit wird gebloggt. Was ist das? Der Versuch, sich ersatzweise durch ein virtuelles Zweitleben zu hecheln? Nur eine zeitgemäße Möglichkeit, sich selbst zu inszenieren? Oder vielleicht doch die Hoffnung, das wirkliche Leben - schreibend - zu begreifen? Was aber bliebe, wenn das Wesen Mensch irgendwann mutiert wäre zu einem Wesen mit auf das schnelle Anschlagen von Computertasten spezialisierten Fingern, aber einem - von kaum noch notwendigen Muskeln - ins Fratzenhafte verkümmerten Mund, der seine Funktion des Sprechens längst verloren hätte?

ISBN 9-7838-37023-985, Webtagebuch, erschienen April 2008 im Verlag Books on Demand GmbH, 9,95 EUR (inkl. gesetzl gültiger MWst), erhältlich u. a. libri.de, amazon.de / LESUNG am Donnerstag 22.Mai 2008, 21:00 im Archiv Cafe in Potsdam, mehr auf archivnacht.probelesen.info

Lesung: SCHEMENTHEMEN in Potsdam

Freitag, Mai 2nd, 2008

22. Mai 2008, 21.00 Uhr, “Archivnacht” im Archiv Potsdam

SCHEMENTHEMEN
Lesung mit Myk Jung (The Fair Sex, Sonic Seducer Magazin, Negatief Magazin) und Dietmar Haiduk als Gast-Autor - präsentiert von der Archivnacht, Archiv Potsdam. Mit Schementhemen gibt es ab 2008 eine neue Veranstaltungsreihe mit dem Essener Musiker und Autor Myk Jung und dessen Repertoire. Themen, die die Schemen des Alltags durchleuchten. Literatur, Kunst, Musik, Photographie und Underground-Kultur mit wechselnden Gästen.

kopie-von-myk1.jpg  MYK JUNG 

www.schementhemen.de  
www.mykjung.de

Alles wird anders

Mittwoch, März 12th, 2008

Zukünftig wird es in diesem Blog vor allem um die alltägliche Wahrnehmung und Auseinandersetzung von und mit bedenkenswerten Nachrichten, Ereignissen und Ansichten gehen. Spannende, lesens- und empfehlenswerte Bücher werden dagegen in Lesbare Bücher besprochen. Für Schreib - und Leseproben wird es neben probelesen.info einen neuen Weblog geben, der im Moment allerdings noch in der Vorbereitung ist. Und (fast) alles über Potsdam kann man immer noch auf Himmel über Potsdam lesen …

Mondfinsternis … oder bloß Finsternis?

Donnerstag, Februar 21st, 2008

Geduldet unter diesem Mond?    mehr

mond01-20080220.jpg   Foto aufgenommen heute Abend, 22:42 Uhr

Im Dreck liegen

Dienstag, August 14th, 2007

Es ist Dienstag, der 26. Juni, 18:30 Uhr - Wie jeden Tag ist halb Sieben der Rechner runtergefahren, meine kleine, schwarze Hündin sitzt in Wartestellung an der Tür, überglücklich schwanzwedelnd, als es endlich losgeht. Ich hab keine Lust auf einen Spaziergang: es ist diesig, verregnet, die Wolken hängen tief. Ein Novemberabend im Hochsommer.

Wir drehen die allabendliche Runde. Nauener Tor, Bassinplatz, um die Wiesen, um den Friedhof. Eine merkwürdige Stimmung, der feine Regendunst, der sich zwischen den Sträuchern und Gräbern festzusetzen scheint. Bedrückend. Ich will weg aus dieser dunklen Ecke. Der weite Platz neben dem Friedhof, wohl auch einer dieser typischen preußischen Exerzierplätze aus vergangenen Jahrhunderten, schafft Raum. Das Kopfsteinpflaster glänzt im Regen und Licht der Autoscheinwerfer. Nie schließt die abendliche Hunderunden diesen Platz ein, nie wird er mit umrundet, also warum nicht … 

Später frage ich mich oft, warum an diesem Abend. Als mich diese Frage das erste Mal durchzuckt, liege ich am Boden. im feuchten Dreck dieses Platzes. Ungebremst aufgeschlagen mit dem flachen Gesicht. Das Letzte was ich sah, war dieser braune, gewaltige Hund, der meiner Hündin nachsetzen wollte - rücksichtslos mir beide Beine, die im Weg standen, wegschlagend. Geschrei von anderen, während ich merkwürdig stumm bleibe. Jedenfalls bleibt in den Bruchteilen eines solchen Geschehens wohl nur selten Zeit zur Wahrnehmung. Die Besitzerin bändigt nur mit Mühe ihr kampfhundähnliches Tier. Ich weiß nicht, ob ich benommen war oder noch bin. Ich rapple mich auf, sehe erst jetzt die ganze Szenerie: einer der Imbisspavillions am Platze, eine Gruppe der dort häufig Sitzenden und wohl auch häufig Trinkenden. Irgendwie sind alle aufgesprungen. Jemand reicht mir Zellstoff, Blut tropft mir von der Schläfe. Ich fühle mich erschlagen, hilflos, matt. Ich setze mich auf eine der Bierbänke. Ich merke, wie das angesammelte Regenwasser mir den Hosenboden durchnässt. Es ist mir egal. Die Schmerzen drücken. Innerhalb weniger Sekunden bin ich ein anderer: zerissen, verdreckt, blutend, inmitten bedrückend alkoholvernebelter Luft.

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Plötzlich macht mich die Hektik und die Aufmerksamkeit aller, die mich umstehen, stutzig. Ich spüre abgeschottet zu werden. Zuerst is es eben diese Wahrnehmung - und nicht die rationale Frage, wo und wer ist der Schuldige - die mich mich umdrehen lässt. Aber ich kann niemanden erkennen. Hunde und Besitzer sind verschwunden. Eine Stimme fragt, ob ich einen Arzt brauche. Ich wundere mich, wie bestimmt ich Ja sage, so Schwäche eingestehend.

Als ich das Blaulicht sehe - auch das kaleidoskopartig im regennassen Pflaster verstärkt - ist keine Minute vergangen. Glibbrige, gummiartige Handschuhe greifen nach meinem Kopf. Ob ich bewusstlos war, was wirklich schmerzt und - ob ich getrunken habe … Nein! Nein! Ich wiederhole es, nichts ist mir in diesem Moment unangenehmer, als zu einem oft nur verachteten Milieu zugehörig abgestempelt zu werden. Der Satz harkt sich fest in meinem Gedächtnis: Ich bin keiner von hier.

Aber wo endet dieses hier und wo beginnt jetzt noch mein dort, wo ich herkomme - so verdreckt, aufgeweicht, mit Blut beschmiert mein Gesicht, Hände und Sachen sind? Als ich in den Krankenwagen steige, denke ich ein zweites Mal: Warum heute? Immer trage ich schwarz, warum heute khakifarbene Hose, Jacke, Shirt? Jeder Fleck darauf erniedrigt mich. Sich dagegen aufzubäumen hilft aber wohl auch, scheint mir, die Schmerzen zu ertragen.

Bevor sich die Tür des Wagens schließt, sehe ich die dunklen Augen meiner Hündin. Ich kenne diesen Blick des verständnislos Zurückgelassenwerdens. Irgendwer hat Feli an einen Baum gebunden.

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Vergänglichkeit

Samstag, Juni 16th, 2007

Meistens sind es ja die vermeintlich unscheinbaren Ereignisse, die uns verschreckt innehalten lassen. Weil wir plötzlich mehr in ihnen entdecken, als zu vermuten war -  manchmal wohl auch mehr, als gut ist. Mehr jedenfalls über die Puhdys, Roger Chapman und die Vergänglichkeit von 29 Jahren gibt es seit ein paar Minuten auf Himmel über Potsdam

Relativitätstheorie & Mäuse

Dienstag, Juni 12th, 2007

Jahrelang dümpeln Texte vor sich hin - auf diesen kleinen, längst veralteten Disketten, auf diversen Festplatten diverser Rechner. Manchmal hat der eine oder andere dieser Texte es schon geschafft, sich auf Papier auszubreiten: ausgedruckt, um kurz danach irgendwo - vergilbt - zu enden. Ein Wort wie ein Name: kurze Texte, in der Tradition klassischer Haikus, meist gleichsilbrig 5 – 7 – 5. Was nicht immer, ich gestehe, gelingt. Aber auch mit weniger Silben lassen sich Worte zum Klingen bringen.  Denn nicht immer lässt sich, was man aufschreiben will, wirklich in eine Form zwingen. Davon also heute eine weitere Leseprobe, wie schon in den letzten Wochen geschehen. Geplant ist im Dezember übrigens ein Band mit Fotos und Dutzenden solcher kurzen Texte. Mehr gibts dann auch wieder rechtzeitig auf ProbeLesen.info

LIEBESKUMMER

der tropfen fällt

und bricht so wolkenherz

für regen

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RELATIVITÄTSTHEORIE

herbstblatt fällt

und klemmt dem käfer

beine ein

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ZU FRÜH GEFREUT

der käse will im

bauch der maus entfliehen

da schlägt die falle zu

Mehr zum Thema Albert Einstein und Potsdam gibt es übrigens auf www.himmel-über-Potsdam.de 

 

Hinweis

Samstag, Juni 9th, 2007

So, irgendjemand muss ja mal drauf hinweisen, um das Ranking zu heben ;-) www.himmel-über-potsdam.de