Archive for the ‘Punkrock’ Category

Hören: Myk Jung

Dienstag, Mai 6th, 2008

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Sich einhören auf SCHEMENTHEMEN am 22. Mai 2008 im Rahmen der Archivnacht Potsdam: Musik von Myk Jung - melancholisch, tiefsinnig, schaudernd - gibts hier zu hören. Mehr von Dietmar Haiduk gibts hier   

Phantasie & Wirklichkeit

Freitag, Juni 8th, 2007

Ich bin beruhigt. Die Wirklichkeit bleibt sich selbst treu, sie ist nicht nur, was sie zu sein scheint. Es gibt sie wirklich …  Heute Nachmittag kam das offizielle Eingeständnis, laut Newsticker von tageschau.de: Der inmitten der Demonstranten vor Heiligendamm vor wenigen Tagen aufgegriffene Vermummte war tatsächlich ein verdeckter Ermittler der Polizei.

Ein bisschen ist das - und ich bekenne, das ist nicht ohne Ironie gemeint - wie Schreiben, soll heissen: wie Geschichten ausdenken für Filme, Bücher, Theater … Man schlüpft in eine fremde Hülle, in fremde  Figuren und denkt sich ein fremdes Leben. Man kitscht sich ein und will - so genau wie möglich - die Figuren zeichnen, nach denen das Spiel verlangt und man will sie regelrecht selbst leben.

So mag sich auch ein verdeckter Ermittler fühlen.

Beim Schreiben jedenfalls unabdingbar ist dafür der Sinn für Realität. Stellen wir uns also vor: ein Vermummter, der sich als Teil des Schwarzen Blocks ausgibt, verkennt, dass dieses “im Block auftreten” auch heisst: es ist ein Zusammenschluss vieler Gleichgesinnter. Wer also in diesen Block als einsamer Streiter eintaucht - johlend und Parolen schreiend nach vorne stürmen mag - macht andere mißtrauisch. Wer nicht mindestens zwei, drei Gleichgesinnte neben sich weiß,  die für ihn sprechen, weil sie ihn kennen, liefert sich erst recht aus und hat sich schon verraten. Der Schwarze Block mag ohne Hierarchien funktionieren, aber mit Sicherheit ist er nicht das Zusammenspiel von Einzelgängern. Wer dem dennoch auf den Leim geht, fällt auf.

Und - um zum Schreiben zurückzukehren: Genauigkeit ist Voraussetzung, um wahrhaftig zu sein: In der Realität heisst das: ein Slipknot-Kapuzenshirt passt irgendwie nicht nach Heiligendamm . Das Shirt einer Metalband inmitten einer von HC, Emo und Trash, Deutschpunk und ja - vielleicht auch jeder Menge Hippielieder - bestimmten Protestszene scheint fehl am Platz. Was nicht heisst, Metaller würden nicht ebenso Teil dieser Proteste sein. Aber die Grenzen sind fließend und dennoch sehr genau. Ein falscher Griff in die Asservatenkammer und der Deal fliegt auf. Ein Slipknot Shirt mag anderswo passend sein, bei Autonomen stiftete es wohl Verwirrung …  

Und das Ende der ganzen Geschichte? Wie schon gesagt: Genauigkeit ist die Voraussetzung, um wahrhaftig zu sein. Und - Phantasie und Wirklichkeit liegen manchmal sehr weit auseinander.

 

 

Punker Leben - Abriss Leben

Mittwoch, Mai 30th, 2007

Autor: Dietmar Haiduk  

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Die Arbeit am Roman Abriss Leben nähert sich dem Ende …

Manchmal haben Menschen mein Leben berührt, die viele andere nur vom Wegsehen kennen: Schnorrer, Punks. Unter ihnen D., Schmuddelpunk und hoch intelligent. Ein wildes Kind, inmitten einer Großstadt, das in einem Abrisshaus lebte, fünfzehn Bier am Tag soff und wohl alle Drogen nahm, die es gibt und das, als ich es kennenlernte, das Reden verlernt hatte. Dem man sekundenlang gegenübersitzen und sehen konnte, wie seine Lippen versuchten, Worte zu finden. Das am Ende doch mit einer Handbewegung den Tisch vor sich leer fegte, um mit der Stirn auf die Holzplatte zu schlagen, weil es das, was es sagen wollte, nicht mehr anders aus seinem Kopf herausbekam.  >mehr