Christa Wolf, späte Nachrichten
Freitag, August 24th, 2007Da habe ich es heute endlich geschafft mir jenes letzte, seit Jahren in meiner Werksammlung fehlende Buch Christa Wolfs zu kaufen: ausgerechnet Störfall - Nachrichten eines Tages. Nun liegt es auf meinem Tisch - auf dem Stapel ungelesener kleiner, dünner Bücher, die ich mir - wie ich merke - als Vorrat für schwere Zeiten zurechtlege - griffbereit für jene Augenblicke, in dem nur die Flucht in eng beschriebene Zeilen Zufriedenheit zurückbringen könnte: Michel de Montaigne, Von der Freundschaft - Donna Leon, Mein Venedig - Anna Achmatowa, Liebesgedichte … - Bücher, von denen ich behutsam fast jeden Tag den Staub wische, mein kleiner Schatz für bedürftige Zeiten …
Nun also landet auch Störfall auf diesem kleinen Stoß besonderer Gedichte, Erzählungen und Essays und doch zögere ich, darinnen zu lesen. Die alte Frage kommt wieder auf: was bestimmt die Zeitlosigkeit von Literatur? Warum will ich ein Buch lesen, das vor 21 Jahren seine Brisanz hatte, das - anders als die meisten der Wolf’schen Bücher - in großer Nähe zum reflektierten Ereignis geschrieben wurde und nicht erst, nachdem dessen Legendenbildung längst eingesetzt hatte? Warum wird heute noch Thomas Mann gelesen - selbst für eine Neuverfilmung ist er immer noch gut, so gerade die der Buddenbrokks mit Armin Müller Stahl, wie zu hören ist. Warum aber liest kaum einer noch Heinrich Böll, warum ist er gut 20 Jahre nach seinem Tod aus den Buchhandlungen fast verschwunden?
Warum also Störfall? Demnächst wird mehr dazu hier stehen … mehr
